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10. September 2024

Schiedsmann verabschiedet

Reinhard Kropp schlichtete 24 Jahre lang sehr erfolgreich Streitigkeiten zwischen Bad Zwischenahnern und zog sich nun aus seinem Amt zurück. Mit Dennis Schröder ist bereits ein Nachfolger gefunden.

„Entweder finden wir einen Kompromiss oder der Mist bleibt so wie er ist.“ Mit diesem Satz habe er oft Erfolg gehabt, wenn ein Streit zwischen zwei Parteien festgefahren war, berichtete Schiedsmann Reinhard Kropp, als er nun im Kaminzimmer des Hauses Brandstätter nach etwas mehr als 24 Jahren aus seinem Amt verabschiedet wurde.

Wie erfolgreich der Petersfehner beim Streitschlichten war, stellte Martin Staubwasser, Direktor des Amtsgerichtes Westerstede, heraus, der zum Dank für das „wahnsinnige Engagement“ eine Urkunde vom Präsidenten des Landgerichts Oldenburg überreichte: „Sie hatten eine Erfolgsquote von 85 Prozent. Unsere Erfolgsquote bei Gericht ist deutlich geringer.“ Aber auch für eine Schiedsperson sei sie außerordentlich hoch, wie der geschäftsführende Vorsitzende der Schiedsvereinigung Oldenburg, Heinz-Jürgen Greszig, einwarf: „Im Durchschnitt liegt sie bei 60 bis 70 Prozent. Das zeigt, mit wie viel Herzblut du dabei warst“, so der Vorsitzende.

Auch auf Landes- und Bundesebene aktiv

Dieser stellte auch das Engagement von Reinhard Kropp außerhalb der Gemeinde Bad Zwischenahn heraus: Bereits zwei Jahre nach seiner Amtseinführung am 6. Juli 2000 sei der Petersfehner in die Bezirksvereinigung eingetreten, der er 19 Jahre und davon vier Jahre als Vorsitzender angehörte. Als Landesvorsitzender habe er ebenfalls vier Jahre dafür gesorgt, neue Schiedsamtsgenerationen in ganz Niedersachen an das Amt heranzuführen. In diesem Zusammenhang freue er sich, dass mit Dennis Schröder bereits ein junger Nachfolger für Reinhard Kropps Schiedsamt in Bad Zwischenahn gefunden wurde. Darüber hinaus sei der Verabschiedete auch auf Bundesebene aktiv gewesen, führte Heinz-Jürgen Greszig weiter aus, wofür er zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt und ihm die Ehrennadel des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS) verliehen worden sei.

Reinhard Kropp engagiert sich vielfältig

Auch Bürgermeister Henning Dierks bedankte sich im Namen der Gemeindeverwaltung und des Rates für das langjährige Engagement. Denn: „Ich kann mir in meiner Position als Bürgermeister, in der ich auch oft mit Streitfällen zu tun habe, gut vorstellen, wie herausfordernd die Tätigkeit als Schiedsperson ist. Mit dieser haben Sie aber nicht nur die Gerichte entlastet, sondern auch für das Zusammenleben in Bad Zwischenahn etwas Gutes getan.“ In diesem Zusammenhang betonte Henning Dierks, dass Reinhard Kropp sich nicht nur als Schiedsmann engagiert habe bzw. engagiere: So sei dieser seit 1963 bei der Freiwilligen Feuerwehr und auch im Schützenverein Petersfehn aktiv. Ferner engagiere er sich im Bürgerverein Petersfehn, dessen Vorsitz er zehn Jahre innehatte. Mit der Heimatdiele, dem Bürgerbus oder der Oldenburgischen Landschaft kämen zudem viele weitere Projekte hinzu, weswegen Reinhard Kropp im vergangenen Jahr völlig zu Recht das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen habe, sagte der Bürgermeister, der dem aus dem Schiedsamt Scheidenden neben einer Abschiedsurkunde auch noch einen Blumenstrauß und ein „Flachgeschenk“ überreichte. Der Dank gehe aber auch an Rita Kropp, denn man brauche bei einem derart großen ehrenamtlichen Engagement auch immer einen Partner, der es mitträgt.

Dank an Ehefrau Rita

Er freue sich nicht nur darüber, dass der Bürgermeister bei seiner Verabschiedung sei, sagte Reinhard Kropp, sondern mit Helga Buß und Lea Paradies aus dem Hauptamt sowie Heiko Lindemann aus dem Bauamt auch die Gemeindevertreter, die ihn in seiner Arbeit als Schiedsmann in den vergangenen Jahren am meisten unterstützt hätten. Darüber hinaus bedankte auch er sich bei seiner Ehefrau Rita, die häufig involviert gewesen sei: Beispielsweise habe sie viele Telefonate angenommen und so manches Mal für die Schlichtungsgesprächen den Kaffee gekocht.

Um den tollen und auch gesunden Umgang Reinhard Kropps mit dem Schiedsamt zu verdeutlichen, hatte Amtsgerichtsdirektor Martin Staubwasser einen alten Zeitungsartikel herausgesucht, in dem sich der Petersfehner als „Katalysator für die Streitparteien“ bezeichnet habe. Dieser Vergleich sei mehr als treffend, denn laut Wikipedia werde als Katalysator in der Chemie ein Stoff bezeichnet, der die Reaktionsgeschwindigkeit durch die Senkung der Aktivierungsenergie einer chemischen Reaktion erhöht, ohne – und das sei besonders wichtig – dabei selbst verbraucht zu werden. Darüber hinaus sei er bei der Recherche auf das folgende Gedicht von Reinhard Kropp gestoßen, das 2007 in der Schiedsamtszeitung veröffentlicht wurde und sehr schön die Probleme in unserer heutigen Gesellschaft aufzeige.

Gedanken zur Zeit

Wir haben größere Häuser,
    aber kleinere Familien.
Wir haben mehr Bequemlichkeit,
    aber weniger Zeit.
Wir haben mehr Wissen,
    aber weniger Urteilsvermögen.
Wir haben mehr Experten,
    aber größere Probleme.
Wir haben unseren Besitz vervielfacht,
    aber unsere Umwelt reduziert.
Wir wissen, wie man den Lebensunterhalt bestreitet,
    aber nicht mehr, wie man lebt.
Wir haben dem Leben Jahre hinzu gefügt,
    aber füllen wir die Jahre auch mit Leben?
Wir kommen zum Mond,
    aber nicht mehr zur Tür unseres Nachbarn.
Wir erleben den Weltraum,
    aber der Raum in uns bleibt leer.
Wir spalten Atome,
    aber Vorurteile manifestieren sich.
Wir rauchen und trinken zu viel,
    aber lachen zu wenig.
Wir fahren zu schnell,
    aber haben Muße zu wenig.
Wir kritisieren zu viel
    aber halten Zwiesprache zu wenig.

In einer Zeit,
wo moderne Technik einen Text wie diesen
    in Windeseile in alle Welt tragen kann,
wo es wichtiger ist etwas darzustellen,
    als etwas zu sein,
ist es Zeit,
    etwas zu ändern:

Das Wichtigste am nächsten Schritt ist
    nicht die Länge,
    ist nicht Geschwindigkeit,
    ist Richtung!

Reinhard Kropp und Dennis Schröder