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03. August 2026
Von Bad Zwischenahn nach Down Under

Eine Ausstellung im Deutschen Bundesrat, konzipiert vom Deutschen Auswanderhauses (Bremerhaven), erzählt die Geschichte einer Familie aus Bad Zwischenahn, die in den 1950er Jahren nach Australien auswanderte.
Mit 16/16 Geschichten aus dem Deutschen Auswandererhaus wird aktuell im Bundesrat eine Ausstellung zur langen Migrationsgeschichte Deutschlands gezeigt: Darin werden sechzehn einzigartige Lebenswege vorgestellt – jeder führt in eines der 16 Bundesländer hinein oder aus ihm heraus. Für Niedersachsen fiel die Wahl auf Klaus Kaulfuss, der als 11-Jähriger mit seiner Familie nach Australien auswanderte.
Ans andere Ende der Welt
Wie fühlte es sich an, als Kind die Heimat zu verlassen und mit der Familie am anderen Ende der Welt nochmal ganz neu anzufangen? Klaus Kaulfuss ist 11 Jahre alt, als sich seine Eltern entschließen, nach Australien auszuwandern. Geboren wird er wird 1942 in Bad Zwischenahn. Die Nachkriegsjahre sind hart für die Familie; sie sind von Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit geprägt. Und so entscheidet sich Familie Kaulfuss 1953, in Australien neu anzufangen. Möglich war dies durch ein Anwerbeabkommen, das Australien mit der jungen Bundesrepublik abgeschlossen hatte. Die BRD erhoffte sich Entlastung am Arbeitsmarkt, und Australien suchte Arbeitskräfte.
Im Februar 1954 geht Klaus gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder in Bremerhaven an Bord der MS Fairsea. Bekannte begleiten die Familie und machen beim Abschied ein Erinnerungsfoto (© Sammlung Deutsches Auswandererhaus, Schenkung Klaus Kaulfuss). Vier lange Wochen dauert die Überfahrt. Alle bis auf den Vater sind seekrank. Dann erreicht die Familie endlich Australien.
Der Start ist schwierig. Zunächst lebt die Familie im Aufnahmelager Bonegilla im Bundesstaat Victoria, bevor der Vater eine Arbeit in Melbourne findet. Dort verbringt die Familie zwei Jahre in einer sogenannten Nissenhütte des Brooklyn Migrant Hostel, eine einfache Wellblechhütte, deren Fertigbauweise ursprünglich für das englische Militär entwickelt worden war. Zumindest ist die Familie unter sich, andere Bewohnerinnen des Migrant Hostel müssen in ehemalige Wollspeichern leben, die jeweils in etwa 100 kleine, unbeheizte Räume unterteilt sind. Nach zwei Jahren gelingt den Kaulfuss‘ der Umzug in ein eigenes Haus im Vorort North Altona. Klaus Kaulfuss wird heimisch in Australien: Nach der Schule dient er mehrere Jahre in der Army, gründet eine Familie und ist heute mehrfacher Großvater.
Arbeitsmigration nach Australien
Die Lebensgeschichte von Klaus Kaulfuss steht beispielhaft für die Arbeitsmigration der 1950er Jahre. Mit einem deutsch-australischen Anwerbeabkommen von 1952 warb Australien gezielt Arbeitskräfte aus Westdeutschland an. Niedrige Arbeitslosigkeit, höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen machten das Land für viele attraktiv. Zwischen 1952 und 1961 wanderten rund 76.500 Westdeutsche nach Australien aus. Wie viele davon aus Niedersachsen kommen, muss noch erforscht werden. Aber weil viele die versprochenen besseren Lebensbedingungen für sich nicht finden, kehrt bis 1974 fast die Hälfte nach Deutschland zurück. Diejenigen, die wie Klaus Kaulfuss bleiben, werden Teil der stetig wachsenden deutsch-australischen Community: 2021 geben über eine Millionen Menschen in Australien an, einen deutschen Hintergrund zu haben.
Die Ausstellung
Heute sind die Fotos und Erinnerungen von Klaus Kaulfuss Teil der Sammlung des Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven. Das Museum wurde vom amtierenden Bundesratspräsidenten Dr. Andreas Bovenschulte eingeladen, eine Ausstellung für den Deutschen Bundesrat zu konzipieren. Dabei handelt es sich um eine Auswahl von 16 Biografien aus den über 3500 Familien- und Lebensgeschichten, die das Museum in seiner stetig wachsenden Sammlung bewahrt. „Die 16 Lebenswege dieser Ausstellung laden dazu ein, Migration aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und ein tieferes Verständnis füreinander zu entwickeln“, betont Bovenschulte. „Sie machen Mut, sich mit Offenheit, Empathie und Neugier auf die Erfahrungen anderer einzulassen und deren Lebenswege nachzuvollziehen.“
Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober 2026 zu sehen und kann im Rahmen von Führungen besucht werden. Informationen zu Terminen und Anmeldung sind auf der Internetseite des Bundesrates verfügbar.
Infos zur Ausstellung auf den Seiten des Deutschen Auswandererhauses