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02. Oktober 2024
1. Forum Zwischenahner Meer
Rund 140 Teilnehmende ließen sich vor Kurzem über die Sanierung des Zwischenahner Meeres informieren. In Zukunft sind weitere Veranstaltungen hierzu geplant.
Wie wichtig ein gesundes Zwischenahner Meer den Bürgerinnen und Bürgern ist, hat sich nun beim „1. Forum Zwischenahner Meer“ gezeigt: Etwa 140 Teilnehmende ließen sich umfassend über den gewässerökologischen Zustand des Sees, Untersuchungen im Einzugsgebiet sowie den Stand der Sanierungsmaßnahmen informieren. Anschließend wurde der Wunsch geäußert, künftig weitere Foren abzuhalten.
Begrüßung durch Bürgermeister und Landesbeauftragten
Zunächst stand aber eine Begrüßung durch Bürgermeister Henning Dierks und den Landesbeauftragten Nikolaus Jansen vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems auf dem Programm. So hob der Bürgermeister positiv hervor, dass sich an dem Langzeitprojekt viele verschiedene Interessengruppen beteiligten, und bat um Geduld, da die Entwicklung der Maßnahmen, deren Umsetzung und sichtbare Ergebnisse naturgemäß viele Jahre in Anspruch nähmen. Dabei lobte er Jenny Kebschull, die in ihrer kurzen Tätigkeit als „Koordinatorin zur Sanierung des Zwischenahner Meeres“ – die Stelle bei der Gemeinde Bad Zwischenahn wurde erst Ende 2022 vom Niedersächsischen Umweltministerium geschaffen – schon viele Maßnahmen auf den Weg gebracht hätte. In diesem Zusammenhang hatte Nikolaus Jansen gute Nachrichten: Die Stelle soll um einige Jahre verlängert werden.
Vier Expertenvorträge
Im Anschluss begannen die Expertenvorträge. Zunächst stellte Hans-Heinrich Schuster vom Seenkompetenzzentrum des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) den gewässerökologischen Zustand des Zwischenahner Meeres dar. Dieser sei „mäßig“ und damit wie neun weitere der 28 niedersächsischen Seen in der mittleren Zustandsklasse. Der Zustand von fünf Seen werde als „unbefriedigend“ und der von dreien sogar als „schlecht“ eingestuft. Zehn Seen werden als „gut“ bewertet, „sehr gut“ schneidet keiner ab. Untersucht würden beispielsweise der Sauerstoffgehalt, der pH-Wert oder die Wassertemperatur. Insbesondere durch den Nährstoff Phosphor würden die Gewässer am meisten belastet, führte Schuster weiter aus. Das Zwischenahner Meer nähme pro Jahr etwa 8,8 Tonnen auf. Laut einer vom NLWKN beauftragten Studie aus dem Jahr 2016 sind die drei Haupteintragsquellen Dränagen, Regenwassereinleitungen und Kläranlagen sowie das Grundwasser.
Präsentation von Hans-Heinrich Schuster
Danach berichtete Timo Brengelmann vom NLWKN-Arbeitsbereich 3.2, der sich mit oberirdischen Gewässern auseinandersetzt, über die Ergebnisse der Phosphormessungen in den drei Hauptzuflüssen des Zwischenahner Meeres, die 88 Prozent des Zuflusses des gesamten Einzugsgebietes ausmachen und an denen im Jahr 2019 Messstellen aufgebaut wurden. Die bisher vierjährige Messreihe zeigt, dass die Otterbäke deutlich höhere Phosphorkonzentration hat als der Auebach und die Halfsteder Bäke. Alle Zuflüsse überschreiten die Zielfracht, die für die Sanierung des Zwischenahner Meeres angestrebt wird, um das fünf- bis achtfache. In einigen Sommermonaten seien die Phosphorkonzentrationen bei Einzelmessungen zum Teil extrem hoch gewesen. Die Ursachen würden zurzeit untersucht.
Präsentation von Timo Brengelmann
Nach einer Pause erläuterte Christian Röder, der sich beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit der Landwirtschaft und dem Bodenmonitoring befasst, den Einfluss von Dränagen auf die Phosphorbelastung in den Teileinzugsgebieten Otterbäke und Heller Bäke. Durch die monatliche Probeentnahme in den Wintermonaten von 2019 bis 2022 aus zwei Hochmoor- und zwei Tiefenumbruchflächen habe bestätigt werden können, dass Dränageabflüsse aus Hochmoorböden hohe Phophorgehalte aufweisen, während Tiefenumbruchböden zunächst weniger zum Anstieg beitragen. Der Effekt bei den Tiefenumbruchböden halte aufgrund der sich einstellenden Sättigung der filternden mineralischen Bodenbestandteile jedoch nicht langfristig an.
Um die Konzentration des Phosphors in den Zuläufen des Zwischenahner Meeres zu verringern, wurde im Februar und März 2024 ein Versuch im Aschhauser Wasserzug des Richtmoors durchgeführt, der eine hohe Belastung aufweist. So wurden Filterbeutel mit Eisenkalkschlamm befüllt, um diesen langsam abzugeben, damit sich der Phosphor daran bindet. Die Konstruktion ist robust, wiederverwendbar, unkompliziert einzubauen und zu befüllen. Bei ausreichender Zudosierung zeigte sich im ersten Versuch eine deutliche Verringerung der Phosphorkonzentration im Gewässer. Um die Dosierung zu optimieren, soll der Versuch im Winterhalbjahr 2024/25 mit größeren Maschenweiten fortgesetzt werden.
Präsentation von Christian Röder
Zu guter Letzt hielt Jenny Kebschull ihren Vortrag über den aktuellen Stand der Sanierungsmaßnahmen im Einzugsgebiet des Zwischenahner Meeres und beleuchtete die Handlungsfelder Landwirtschaft, Baumschulen, Siedlungsbereiche, Zuläufe, Zwischenahner Meer und konzeptionelle Maßnahmen. Beispielsweise soll eine Studie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Bereich Gartenbau) mit dem Bund deutscher Baumschulen, dem LBEG, der Gemeinde Bad Zwischenahn und zwei Baumschulbetrieben klären, wie viele Nährstoffe das Wasser enthält, das über die Überläufe der Bewässerungsteiche in das Gewässersystem gelangen kann.
Aufgrund der hohen Phosphorbelastung in der Otterbäke ist zudem eine Teilumleitung in die Flugplatzbäke angedacht. Bevor dies geschieht, muss allerdings eine Realisierungsstudie erstellt werden, die die Vereinbarkeit des Vorhabens mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die veränderten Wassermengen für das Zwischenahner Meer, die veränderten Wassermengen in der Flugplatz- sowie Ollenbäke sowie das Hochwasserrisiko für die dortigen Unterlieger untersucht und entsprechende Maßnahmen entwickelt. Hierfür wurden bereits Fördergelder bewilligt.
Im Zwischenahner Meer selbst können zwei Maßnahmen kombiniert werden. Im ersten Schritt wird Sediment an Stegen entnommen, um die weitere Nutzung des Sees zu gewährleisten. Im zweiten Schritt wird das Sediment genutzt, um Schilf in Uferbereichen zu pflanzen, die vor Fraß zum Beispiel durch Nutrias oder Wasservögel geschützt werden. Die Fragen, wo diese Zone entstehen und wie das Projekt finanziert werden soll, sind aktuell jedoch noch offen. Insgesamt stellte Jenny Kebschull aber fest, dass viele Maßnahmen bereits angelaufen sind und es darüber hinaus weitere Projekte verschiedener Akteure gibt.
Präsentation von Jenny Kebschull
Positives Feedback
Die Reaktionen auf das Forum waren jedenfalls sehr positiv. So wurde auf einer der Feedbackkarten, die die Zuhörer nach den Vorträgen ausfüllen konnten, die „gute und verständliche Darstellung der Sachverhalte“ hervorgehoben. Darüber hinaus wurden mehrfach weitere Foren in regelmäßigen Abständen gefordert, die die Koordinatorin zur Sanierung des Zwischenahner Meeres auch veranstalten möchte.
